
Irland war
genaugenommen Gabis Idee. 1997 waren wir mit unserem alten, braunen Citroën ZX
und dem Texel-4-Zelt in Irland unterwegs. Wir waren damals von dem
Land
begeistert und Gabi war der Meinung, die stetig hohe Luftfeuchtigkeit ziehe
einem alle Falten aus dem Gesicht. Ob das 22 Jahre später auch noch
funktioniert?
Ich fand den Vorschlag gut, impliziert er doch eine weite Anreise; denn um so
mehr gilt für uns Motorradfahrer: Der Weg ist das Ziel.

Die
Schiffskarten und die vier Hotels auf der Strecke von Dresden nach Cherbourg
waren bestellt und bezahlt. 5 Tage vor der Abreise konnte ich plötzlich
meinen
Kopf nur noch unter wahnsinnigen Schmerzen bewegen. „Zervikalsyndrom“ meinte
der Hausarzt lakonisch, „da werden Sie lange dran laborieren ...“
Unsere
Reiseantritt war in Frage gestellt, eine Umbuchung der Fähre auf Auto nicht
(mehr) möglich. Sch... hoch 3!
Zwei
manuelle Therapien – mehr war in der verbleibenden Zeit nicht drin – sollten
helfen. Eine Tag vor der Abreise wurde es geringfügig besser ... Testfahrt
... die
Hände am Lenker, den Kopf dabei in die Schultern abgelegt ... na, geht doch
besser, als ich dachte. Seitdem glaube ich an Voodoo, denn die
Physiotherapeutin
war ziemlich dunkel. Wir werden wie geplant losfahren, genügend IBUs sind an
Bord!
Und da war
noch etwas. Gabis Suzuki GZ125 hat mittlerweile 60.000km auf der Uhr, ohne dass
jemals was am Motor gemacht werden musste. Das Vertrauen
in den
Antrieb ist nach wie vor groß. Und sollte doch mal was passieren, so wird man
einer Suzuki sicher auch im Ausland helfen können. Anders bei der ETZ150.
Schon seit
der letzten Saison surrt es im 3. und stärker noch im 4. Gang im Getriebe. Die
2000km Alpentour
im Juni diesen Jahres hatte aber zu keiner merklichen
Verschlimmerung
geführt, so dass ich davon ausgehe, dass der Motor auch die 5000km der
Irland-Tour wegstecken wird. Durch Frankreich begleitete uns
virtuell
MZ-Forist samyb, so dass im Falle eines Falles Hilfe hätte organisiert
werden können. Danke nochmals Samy an dieser Stelle dafür!
Von Dresden
bis Cherbourg sind es etwa 1400km, eingeteilt in 4 Teilstrecken kommt
man auf 350 gemütliche Kilometer pro Tag. Die erste Etappe:
Dresden –
Leipzig – Merseburg – Freyburg – Sömmerda
– Bad Langensalza – Bad Hersfeld - Kirchheim
Die Fahrt
bekam mir ausgezeichnet, ich denke, dass ich ab morgen die IBUs weglassen kann.
Seeblick war nicht zu teuer,
ist komfortabel
und in
schöner Lage am Ibra-Stausee.

Am
nächsten Morgen regnet es. Erst mal frühstücken, kann ja nur besser werden. Na
ja, so richtig besser wird es aber nicht. Immer wieder nieselt es,
mal
stärker, mal weniger stark. Die zweite Etappe:
Kirchheim
– Mücke – Wetzlar – Hadamar –
Mayen-Kreuznick – Kelberg – Gerolstein – Prüm – Weiswampach –
Asselborn
Kurz
hinter Mayen, in Kreuznick taucht die Imbissbude „Zum Ring“
am Straßenrand auf. Es gibt gute Hausmannskost und alles schmeckt
ausgezeichnet.
Dass die
Hauptstrecke nach Irland genau an ihrem Imbiss vorbeiführt, war der geschäftigen
jungen Frau hinter dem Tresen noch nicht bekannt ... (;-)
Wer dort
vorbeifährt, sollte unbedingt eine Rast einlegen.
Bei
leichtem Regen müssen wir die Fahrt fortsetzen, es ist auch merklich kühler
geworden. Je näher wir Luxemburg kommen, umso abenteuerlicher erscheint
uns die
vom Navi vorgegebene Route, was ursächlich durch gesperrte Abschnitte bedingt
ist, um die das Navi erfolglos herum-navigiert. Wir weichen von der
B140 ab und
nehmen eine Unzahl von Dörfern mit. Dazu verlängern mehrere gesperrte
Streckenabschnitte unser Tagespensum.
Auf den
letzten 30 km kreuzen wir mehrmals die luxemburgisch-belgische Grenze.
Schließlich werden wir „angewiesen“, eine „Straße“ mit Verbotsschild (frei
für
landwirtschaftlichen Verkehr) zu nehmen. Die geht alsbald in eine unbefestigte
1,5 km lange Piste - mit Kieselsteinen als Belag - über. Etwas später
passiert
das noch
einmal. Egal, wir müssen hier durch.
Uns
(genauer: mir!) fehlt hier ohnehin der Orientierungssinn bzw. ein verlässliches
Ziel per Wegweiser. Wir fahren durch Weiswampach. Nun sind wir endgültig
in
Luxemburg angekommen und erreichen schließlich die romantisch gelegene
ehemalige Wassermühle Domain du
Moulin d´Asselborn.
Schade,
dass das Wetter heute einen Aufenthalt im schönen Garten des Hotel-Restaurants
nicht zulässt. Hier plappert man "luxemburgisch", eine Mischung
aus
deutsch und französisch.

Der Nebel
hat sich – wie erwartet - verzogen, die Sonne scheint, die Luft ist frisch. Wir
verlassen Asselborn Richtung Stockem, es ist die Straße gleich
links
neben dem
Hotel – sie ist nicht einmal in Google-maps verzeichnet. Das ist nach unserer
Erfahrung überhaupt eine Eigenart Luxemburgs, dass Adressen,
Ortsbezeichnungen,
Straßenführungen oft verwirrend und in den Navi- oder Google-maps-Karten
offensichtlich nicht präzise erfasst sind. Die dritte Etappe:
Asselborn(L) – Bastogne(B) - Libramont-Chevigny(B) –
Bouillon(B) – Sedan(F) – Novion-Porcien - Le Thour – Soissons – Compiègne – Beauvais
Kurz nach Bastogne
ist Gabi nicht mehr im Rückspiegel zu sehen. Ich wende. Eine Wespe hat sie
mehrfach unter dem Ärmel gestochen. Als Wespen-
Allergikerin
hat sie ihre Gegengifte zwar immer dabei, aber wir wollen erst mal abwarten,
wie sich die anwachsende Schwellung entwickelt.
Im Gebiet
der Ardennen weichen wir hinter Sedan bewusst von der direkten Route
nach Beauvais ab. In Novion-Porcien muss auch mal ein Postkasten
als
Kaffeetafel herhalten. Mehr als 50km schlängeln sich die schmalen, aber gut
asphaltierten Straßen durch endlose Getreidefelder.

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Unser
Zwischenziel ist der kleine Ort Le Thour. Hier war mein Großvater
während des Ersten Weltkrieges stationiert. Ein
Bündel vergilbter Feldpostkarten existiert noch, dabei ist eine aus Le Thour, die
die angetretene Einheit beim Appell anlässlich des Geburtstages
des sächsischen Königs Friedrich August III. von Sachsen (*25.5.1865
+18.2.1932, Abdankung 13.11.1918) zeigt. Wir sind uns ziemlich sicher, dass es genau an dieser Stelle war. Das aktuelle Foto ist zum besseren Vergleich um hundert Jahre älter gemacht. Heute steht dort am Platz ein Denkmal für die gefallenen
französischen Soldaten. |
|

Es geht
noch einige zehn Kilometer über ähnliche Feld- bzw. Landstraßen, aber zunehmend
wird es besser. Schließlich fahren wir die letzten hundert Kilometer
über gut
ausgebaute Schnellstraßen bis nach Beauvais. Doch zuvor müssen wir in Soissons
tanken und wollen auch etwas essen. Im Supermarkt finden wir
nur eine
handvoll McDonalds-Derivate – nö, danke!
Gabi hat
unterwegs zur Tankstelle irgendwo einen Hähnchen-Grill auf dem Fußweg gesehen.
Den finden wir glücklicherweise wieder. Es ist genaugenommen
ein
arabischer Fleisch- und Gemüseladen. Der junge Händler ist ausgesprochen
freundlich. Er legt draußen vor dem Laden einige Holzpaletten übereinander,
auf denen
wir sitzen können, und auch die Waren auf der Auslage werden für uns als Tisch
beiseite geschoben und eine Papierdecke aufgelegt. Fast alle
Kunden,
die in den Laden gehen, wünschen uns freundlich „bon appetit“. Der Laden „Al Baraka“ an der Kreuzung Boulevard
de Presles / Rue François Mauriac
bleibt uns
in sehr guter Erinnerung.
Die Innenstadt von Beauvais
verfügt über ein bemerkenswertes Einbahnstraßen-System. Wir hatten den
Eindruck, dass es Pfade in diesem Graphen gibt,
aus denen man ohne
Verletzung der Verkehrsregeln nicht mehr herausfindet. Auch unser Hotel Victor ist nur quer über die Fußgängerzone zu erreichen.
Noble
Fassade und Zimmer des Hotels stehen in
- sagen wir mal - starkem Kontrast. Aber für eine Nacht ging es schon.

Die Fahrt
von Beauvais nach Cherbourg ist wenig spektakulär. Es ist
ziemlich kalt geworden und ein starker, böiger Gegenwind bremst uns ziemlich
aus.
Das heißt,
4. Gang und kaum mehr als 60km/h. Die vierte Etappe:
Beauvais – Louviers - Lisieux - Caen – Caen-Rots - Bayeux
- Cherbourg-en-cotentin
Noch bevor
wir die Innenstadt von Cherbourg erreichen, fahren wir von der N13 ab
und stehen schon nach wenigen Metern unvermittelt vor dem IBIS-Hotel.
Eigentlich
sind es zwei Hotels, rechts das eigentliche IBIS, links das IBIS-budget ... für
Arme ... das ist unseres.
Am
nächsten morgen regnet es, aber bald klart es auf. Unsere Sachen sind gepackt.
Wir verstauen alle Dinge, die wir auf dem Schiff brauchen, in unseren
Tankrucksäcken.
So können die Koffer und die Packtaschen an den Motorrädern bleiben. Gegen 10
Uhr rollen wir nach Cherbourg hinunter. Ich folge einer
LIDL-Reklame
und tatsächlich taucht ein Markt auf. Nun gilt es, für die Überfahrt
einzukaufen: Baguette, Käse, Salami, ein Kaffeegetränk, Rotwein, Wasser ...
.
Bis zur
Abfahrt am Nachmittag bummeln wir durch Cherbourg und lassen die Seele
baumeln...

Je größer
das Schiff, desto länger sind die Wartezeiten für die Abfertigung, so scheint
es zumindest. Pünktlich 17 Uhr legt die W.
B. Yeats ab.

Der Lotse
verlässt den "Dampfer". Gabis Arm ist zwar mächtig angeschwollen, es
bleibt aber stabil. Wir hoffen, dass es bald besser wird.

Das Navi
zeigt 40km/h auf offener See. Pünktlich nach 18 Stunden läuft das Schiff in den
Hafen von Dublin ein, es dauert aber noch 45 min, bis wir aus dem
Schiffsbauch
freikommen. Nach dem letzten Zollposten (eigentlich wird absolut nichts
kontrolliert) halten wir auf einem kleinen Platz im Hafengelände an
und
stellen unsere gepäckmäßige Standardordnung wieder her.
Und ab
geht es in den Linksverkehr ... Es ist für uns kein Problem umzuschalten, weder
für Gabi noch für mich Etwa 7 km sind es vom Hafen bis
zum Leeson Inn. Ohne die Hilfe
des Navis wären wir niemals so zielstrebig darauf zugefahren. Dazu kommt noch,
dass der Verkehr in Dublins Innenstadt mit
reichlich
„Selbst-Blockierungen“ versehen ist, wodurch es bei Fehlern zu großen
Zeitverlusten gekommen wäre.

Es ist noch
früh am Tag, als wir ankommen. Auf zum ersten Stadtbummel! Der wunderschöne
Park St. Stephen´s Green liegt in der Nähe des Hotels
und in der
Temple Bar treffen wir gleich auf irische Live-Musik.


St.
Patrick´s Cathedral ist Irlands größte und älteste Kirche. Ein erstes
Bauwerk soll es bereits um 450 gegeben haben. Den heutigen Umfang erhielt die
Kirche vor
800 Jahren. Allerdings brannte sie aus und musste im 19. Jahrhundert in
großem Maße baulich stabilisiert werden, was starke Veränderungen
mit sich
brachte. Heute weiß man deshalb nicht mehr genau, welche Teile noch aus dem
12. Jh. stammen.
Robert
Boyle ist. Alle die, die Physik nicht abgewählt hatten, erinnern sich sicher
an´s Boylsche Gasgesetz p*V=const.
Mit einem
weichen Messingstück können die Besucher Motive auf Papier „rubbeln“. Unser keltisches
Kreuz ist doch ganz gut gelungen.

Das Bier
haben wir - denke ich - uns verdient. Weiter geht es an die Westküste Irlands,
nach Westport. Unterwegs besichtigen wir einen Torf-Abbau.

Warum ist
Irland so grün? Genau! Weil es oft und viel regnet ... In Westport ist es
unmöglich, ein preiswertes Quartier aufzutreiben, 450€ für 3 Tage liegen
nicht in
unserem Budget. Etwas außerhalb von Westport kommen wir im Rock Villa B&B unter und
sind sehr zufrieden.

Die
Landschaft ist überwältigend. Unsere erste geplante Tour in der Region
süd-westlich von Westport fällt allerdings buchstäblich ins Wasser. Wir retten
uns ins
Café des Delphi
Ressorts, eine Hotelanlage inmitten der grünen Berge. Zwei Stunden
vergehen, es wird nicht besser. Inzwischen schüttet es wie aus Kannen.
Wir fahren
zurück. Unsere Sachen sind pitsch-nass.

Am
nächsten Tag wollen wir kein Risiko eingehen und planen einen Bummel durch
Westport. Nach einem guten Inselfrühstück fahren wir mit Gabis Suzi los.

In den
Vorgärten drängen sich die prächtigen Fuchsienbüsche an den Zäunen. Im Hafen
hat ein Segelschiff aus Brest angelegt.

Unweit davon
gibt es eine gute Fischgaststätte.

Unser Weg
führt uns am Westport House vorbei wieder zurück in die Stadt. Unsere
B&B-Wirtin hat unsere Sachen einigermaßen trocken bekommen.
Die
kräftige Abendsonne wird der Restfeuchte den Garaus machen. Ich beobachte den
Prozess bei einem Bierchen.

Wir wollen
unsere Fahrt Richtung Süden fortsetzen. Einen großen Teil der ins Wasser
gefallenen Tour plane ich mit in die Fahrtroute ein, so dass wir doch
noch
einiges davon zu sehen bekommen.

In Ennis
beginnen wir mit der Quartiersuche. Diesmal ist uns das Glück nicht gewogen.
Wir kurven schon eine Stunde durch die Stadt, ohne Erfolg.
die
Stadtgrenze erreichen, fällt uns das B&B Ashville House ins Auge.
Wie überall ist auch dieses belegt. Allerdings will uns die freundliche Dame
nicht
ziehen
lassen,.ohne dass wir eine Übernachtungsmöglichkeit finden. Sie blättert in
ihrem handgeschriebenen Telefonbüchlein, lässt die Finger hoch- und
runtergleiten.
Dazwischen immer mal wieder ein Telefonat: "Sorry ...". Ich sitze fast
schon eine halbe Stunde im Wohnzimmer, sie gibt nicht auf. Gabi steht
draußen
und weiß nicht so recht, was da vor sich geht. Da, ein Hoffnungsschimmer! Und
tatsächlich werden wir sogar zu unserem B&B per Auto eskortiert.
Diese
Begebenheit wird uns ewig in dankbarer Erinnerung bleiben.
Von Ennis
aus unternehmen wir eine Tour zu den Cliffs of Moher, dem
Doonagore Castle bei Doolin und weiter zum Burren.

1997 hatten wir schon mal in Nelly´s
Kitchen gespeist. Aus Pink wurde in den 22 Jahren Goldgelb und der Name
änderte sich in Stonecutter´s Kitchen.

Der Burren
ist eine riesige Steinplatte, die die ganze Landschaft bedeckt. Oliver Cromwell
soll gesagt haben: „Kein Baum, an dem man einen Mann
aufhängen,
kein Tümpel, worin man ihn ersäufen, keine Erde, in der man ihn verscharren
könnte.“

Heute
steht die "Killi"-Runde auf dem Plan: Ennis -> Kilkee, Kilrush,
Killimer, Killadysert -> Ennis. Montbretiensträucher säumen die Straßen.

Bei 52°37'20.2"N 9°13'27.8"W gibt
es ein herzhaftes Mal auf dem Townland-Stein bei schönem Wetter und herrlichem
Rundumblick auf den Fjord.

Geplant
ist, heute bis Killarney zu kommen. Es sind nur 150km, also genügend
Zeit für die Quartiersuche. Im Beenoskee
House, ein paar Kilometer
vor Killarney
finden wir, was wir suchen, ein freundlicher Herr öffnet uns. Das Grundstück
ist malerisch gelegen und die Wirtsleute, Colleen und Michael Burke
sind
außerordentlich nett. Vom ersten Moment an fühlen wir uns wie zu Hause. Die
Motorräder können unter einem Dach hinter dem Haus stehen.

Im Zentrum
von Killarney tanken wir, dann geht es auf der N71 (Ring of Kerry)
weiter zum Ladies View, wo Königin Victoria 1861 die Aussicht genossen
haben
soll. Der Blick von hier aus ins Tal ist wirklich fantastisch, mehrere kleine
Seen reihen sich wie Perlen entlang eines Flüsschens östlich des
Blackvalley-Tales,
durch das wir später unsere Fahrt fortsetzen werden.

Ab Molls
Gap wird die Straße zur schmalen, holprigen single-lane road
(Einspur-Fahrbahn). Ein Maultier(?) steht plötzlich auf der beiderseits von
Drahtzäunen
gesäumten
Straße und stiert uns dümmlich an. Eine Banane will es nicht , was anderes
haben wir aber nicht. Inzwischen kommt uns ein Auto entgegen und hält
ebenfalls,
der aus dem Fenster gereichte angebissene Apfelgriebs wird gern genommen. Ich
schiebe das Hinterteil des Tieres zur Seite, so dass das Auto
passieren
kann. Eine spaßige Situation für alle.

Am Gap
of Dunloe werden die Touristen mit einachsigen Pferdewagen kutschiert.

Unweit von
Dunloe gibt es eine kleine Sammlung von Ogham-Steinen. Es soll
sich dabei um ein frühes irisches Alphabet (ca. 4. Jahrhundert) handeln.

Eine
unserer - landschaftlich wie wettermäßig - schönsten Runden, war die Tour zur
Halbinsel Dingle. Gleich am Anfang geht von der großen noch eine kleine
Halbinsel Inch
Beach ab, die in den Fjord zwischen Kerry und Dingle hineinragt. Der Sand
ist dort so fest, dass man ohne Probleme ein Motorrad aufbocken
kann.

Dingle ist eine
von Touristen frequentierte, reizende Kleinstadt mit Hafen und einer Kirche (St Mary´s
Catholic Church) von imposanter Größe.

Da das
Wetter prächtig ist - besser kann es gar nicht werden – setzen wir die Fahrt in
Richtung der westlichen Landspitze Slea Head fort. Unterwegs gibt es
einen
guten Kaffee im Stone House von Dunbeg. Jenseits der Straße führt
ein schmaler Pfad hinunter zur Klippe, wo die Überreste eines vermutlich aus
dem 8. Jh.
stammenden Forts zu besichtigen sind. Lohnt sich aber eigentlich nicht, da man
nirgendwo direkt an die steinernen Reste herankommt, dafür ist
der Weg hinunter
sehr hübsch.

Die
Aussichten vom Slea Head hinüber zur vorgelagerten Insel Great
Blasket und auch entlang der ganzen Uferstraße sind einfach grandios. Man
möchte
aller
100 m anhalten und fotografieren.

Von der
Nordseite der Halbinsel kommen wir über einen wenig auffälligen, nach Süd-Osten
verlaufenden Pass zur Stadt Dingle zurück. Von Dingle fahren
wir gleich
wieder nach Nord-Osten raus, um den Conor Pass zu erreichen. Der Blick
von der Passhöhe ist abermals grandios. Gabi leistet sich hier ein Eis
vom
mobilen Eisstand, was auch ausnahmsweise mir ganz gut schmeckt, denn ich durfte
mal kosten ...

Die
Wetterprognose ist heute obermies. Obwohl kein starkes Regengebiet im Anmarsch ist,
nieselt es immer wieder und die Bergspitzen von Kerry
stecken in
Wolken. Wir warten ein Stündchen ab, brechen aber dann ½ 11 auf. Die Durchfahrt
durch Killorglin ist nervig: Stop and go. Die kleine
Halbinsel
bei Rossbeigh, der wir bei dieser Gelegenheit auch einen Besuch
abstatten, ist nicht so schön wie ihr Pendant von Inch auf Dingle,
hier
liegen überall nur grobe Steine herum.
Jetzt geht
es in die Berge. In Knockaneyouloo (kein Ort, sondern ein townland/Gebiet)
essen wir in einem Restaurant, das sich neben einem riesigen Parkplatz
befindet:
Laut Speisekarte Irish Stew, das ist eine kleine Portion gekochtes
Rindfleisch in Gulasch-Form, dazu meshed potatoes, was aber kein Brei
ist, sondern
es sind
nach meinem Verständnis mit dem Gummihammer breit geschlagene Salzkartoffeln,
man muss ordentlich nachwürzen.
Inzwischen
hat sich ordentlicher Nieselregen über die Landschaft gelegt. Wir trinken noch
einen Kaffee, um Zeit zu gewinnen, aber es wird nicht besser.
Wir müssen
weiter. Bald biegen wir von der guten Straße (N70 – Ring of Kerry) ins zentrale
Gebirge von Kerry ab. Die Straßen sind 2 bis höchstens 2,5 m breit.
In der
Mitte des grob-schottrigen Teerbelags sprießen oft Grasbüschel als Zeichen der
„Ent-Festigung“. Und der Nieselregen wird immer stärker.
Ich sehe
nichts mehr durch mein Visier, das ewige Wasserabstreifen geht mir auf die
Nerven. Also Brille ab und Visier hoch. Und dabei muss es passiert sein,
als ich
die Brille wieder in die Jackentasche gesteckt habe: Erst später – viel zu spät
- bemerke ich, dass ein Brillenglas aus der Fassung gerutscht ist, weil sich
zum
wiederholten Male die Schraube am Gestell gelöst hat. Die Misere entdecke ich
aber erst, als wir am Ballaghasheen-Pass halten
Gabi ist
bei dem anhaltenden Niesel-regen „not amused“, eine Ewigkeit auf asphaltierten
Feldwegen zu fahren. Aber wir müssen durch, denn die Richtung ist ja
schon
wieder heimwärts auf Killarney zu. Abkürzungen sind nicht mehr möglich.
Wir fahren kreuz und quer von Farm zu Farm, denn richtige Dörfer gibt es hier
nicht. Ab
und zu ist mal ein Bauer zu sehen, der die Straße entlang läuft oder quert.
Auch eine Horde wild gewordener Hunde verfolgt uns Furcht einflößend
kläffend
und zähnefletschend ein ganzes Stück.

Trotz des
schlechten Wetters ist der Moment auf dem Ballaghasheen-Pass für mich
wunderschön. Vor uns breitet sich in der Tiefe ein riesiges,
braun-grün
bedecktes Torfmoor aus, dessen ebene Oberfläche einen starken Kontrast zur hügeligen
Umgebung bildet.

Mit dem
Navi kann ich später all die fantasievollen Namen der Gemarkungen abrufen,
durch die wir gekommen sind, hier eine kleine Auswahl:
Knockaneyouloo
– Cahernaman – Reacashlagh – Gortnagree – Lisbane –
Ballynahow More – Foilduff – Tullig – Deelis – Inchintrea – Strandsend –
Bahaghs – Srugreana – Glebe – Cappagh – Coars – Knockaneden –
Raheen–
Islandboy – Knockroe – Cashlagh – Tulligealane – Inchaboy – Shronaloughane – Ballaghasheen
Pass - Curravaha – Dromalonhurt – Dreenagh – Curragh Beg – Lyranes Upper
– Shanacashel – Dromstabla –
Curraflugh – Cappyantanvally – Dromdoory – Lickeen –
Drom East – Keel – Bunglasha South/North – Lauhir – Trean – Cosha North
Einige
Ortschilder haben wir auch gesehen, aber Häuser waren meist keine in der Nähe.
Die Strecke zieht sich hin, vorbei am Carragh Lake erreichen
wir
endlich wieder die N70 nach Killarney. In Killorglin das gleiche
Verkehrschaos wie auf der Hinfahrt. Ich habe den Eindruck, dass die Iren mit
solchen
Problemen
wie mit einer guten Tradition, ohne das Bedürfnis, sie ändern zu müssen, leben
können.
Die N22
führt auf direktem Wege von Killarney nach Cork. Unterwegs
nieselt es ab und zu, auch gibt es mal richtigen Regen. In Cork sind wir
wieder so
einigermaßen
abgetrocknet. Übernachtungen in der Innenstadt von Cork sind
außerordentlich hochpreisig. Nach mehren vergeblichen Anläufen entscheiden
wir uns
für Audley House . Am Nachmittag unternehmen
wir einen Spaziergang Richtung Innenstadt und tauchen am Abend in die
Musik-Szene ein. Das
Dwyers wird mit
seinem abwechslungsreichen Musikprogramm für die letzten Abende in Irland unser
Stamm-Pub.

Bis zur
Burgruine Blarney Castle sind es gerade mal 10 km. Unterwegs
nieselt es wieder leicht. Es ist erstaunlich, wie wenig an konkreten
Erinnerungen
an unserem
Besuch vor 22 Jahren geblieben sind. Auf jeden Fall haben wir damals
sicher nicht 2 x 14 € (Seniorentarif!) Eintritt bezahlt. Was es
mit
Blarney
Castle und Bla-Bla auf sich hat, kann man hier lesen.
Der
Andrang zum Aufstieg auf den Burgturm (um den berühmten Stein zu küssen) ist
heute mäßig, dennoch dauert es eine knappe halbe Stunde,
bis wir
oben sind. Den Stein küssen wir aber diesmal nicht, einmal hat gereicht. Es hat
ja auch gewirkt ...

Sehr
interessant ist der neben dem Burgturm gelegene Giftpflanzen-Garten. Das kleine
Cannabis-Pflänzchen kann einem regelrecht leid tun in seinem Gefängnis.

Aufenthalt
in Irland zu Ende geht. Wir landen in Ballycotton, einem kleinen Ort mit
Fischerei-Hafen. Vorgelagert sind zwei Inseln, auf einer steht ein schon
von Land
aus weit sichtbarer Leuchtturm. Dazu passt natürlich nichts anderes besser als fish-and-chips.

In Cork
besuchen wir den Campus der Universität. Ein Herr George Boole war hier
übrigens der erste Matheprofessor der 1845 gegründeten Universität.
Seinen
Namen finden wir heute in der Boolschen Algebra oder bei den logischen
Variablen (Boolean variables) in der Rechentechnik wieder.

Der English
market in Cork ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Sowohl die
historischen Hallen wie auch das überwältigende Angebot an frischen
Lebensmitteln
ist grandios.

Es geht
wieder Richtung Heimat! Der Fährhafen von Cork ist in Ringaskiddy,
das sind etwa 20km von der Innenstadt Cork aus gerechnet. Wir sind
relativ
zeitig vor
der Abfahrt der "Pont Aven" losgefahren, weil wir annahmen, dass man
sich dort noch ein wenig umsehen kann. Fehlanzeige, da ist nichts.

Es sind
einige Meilen, bis das Schiff die offene See erreicht. Wir gleiten an Cobh
vorüber, hier legte die Titanic zum letzten Mal ab, bevor sie sank.
Am
nächsten Morgen erreich wir Roscoff, es ist fast noch dunkel, als wir
nach endlosem Warten auf dem Fahrzeugdeck endlich das Schiff verlassen können.
Cobh

Wir
bleiben unweit von Roscoff in Saint-Pol-de-Léon und nächtigen im Akena/Le
Passiflore. Kräftiger Rückenwind bringt uns pro Tag um mehr als 400km
voran. So
schaffen wir die 1600km lange Strecke wie auf der Hinfahrt nach Cherbourg
ebenfalls in 4 Etappen. Weitere Stopps sind in Cherville bei Chartres
(ausgezeichnetes
B&B, die freundliche Wirtin spricht perfekt deutsch), in Fechingen
bei Saarbrücken sowie in einer Pension
in Bergtheim bei Würzburg.
St-Pol-de-Léon Cherville

Wieder
zu Hause ...
Unsere
diesjährige Reise nach Irland war erneut ein Höhepunkt in
unserer
Motorrad-Touren-Karriere. Streckenmäßig hatten wir in den
27 Tagen
mehr Kilometer zu bewältigen als 2017
während unserer
Moskaufahrt.
Den Motorrädern müssen wir – wie bei guten Pferden –
einen
liebevollen Klaps auf die Sitzbank geben, denn sie haben uns
sicher und
zuverlässig über die ganze Strecke „getragen“.
Ein symbolischer
Dank gilt den unzähligen Straßenbau-Arbeitern,
die uns
die Wege im Laufe der Jahrhunderte geebnet, gepflastert,
geteert
oder asphaltiert haben.
Verachtung
soll alle Duschen-Designer treffen, die glatt-verchromte
Drehknöpfe
vorgesehen haben, über welche man mit seifigen Händen
wirkungslos
rutscht; die feststehende Brausen montieren ließen, bei
denen man
unausweichlich gefühlte 5 min unter eiskaltem Wasser
stehen muss
, bis das warme kommt; die den Grundriss der Dusche
so
bemessen haben, dass ein Vorbeugen, um bei geschlossener
Duschtür
an die Füße zu kommen, nicht möglich ist und bei dem
Versuch
mit einem lauten Knall des Kopfes an der Glastür endet;
die weder
einen Haken noch eine Ablage für die persönlichen
Duschutensilien
vorgesehen haben
Unsere
Fahrergemeinschaft – Gabi und ich – hat sich bei dieser Reise im Vergleich zu
denen in der Vergangenheit weiter gut eingespielt. Überrascht
war ich,
dass Gabi neuerdings Schlechtwetterfahrten problemlos wegsteckt. Mein
unendlicher Dank gebührt ihr für die umsichtige Vorbereitung und
Verwaltung
aller Dinge des täglichen Bedarfs wie Kleidung, Kosmetik usw. Alles hat
wunderbar geklappt und die Reserven waren reichlich bemessen.
Lothar,
Dez. 2019