2016 Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze (2) (Suzuki GZ125 + MZ ETZ150)

 

Bisherige Touren:

2015 Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze (1) (Suzuki GZ125 + MZ ETZ150)

2013 Alpen (Suzuki GZ125 + MZ ETZ150) DD – CH, I, A, SLO, CZ

2012 Tschechien (Suzuki GZ125 + MZ ETZ150) DD – CZ (A, D, SK, PL)

2011 Rumänien (Yamaha XV535 + MZ500R) : DD - CZ - SK - H - RO - H – SK – CZ - DD

2011 Kopenhagen (ES150)

2009 England (Yamaha XV535 + MZ500R) : DD - B - F - GB - F - B - DD

2008 Polen (Suzuki GZ125 + MZ ETZ150) : DD - PL - SK/PL/CZ - DD

2004 Südfrankreich (Yamaha XV535 + MZ500R) DD - CH - F - AND, E - DD

2003 Rund um die Ostsee (Suzuki GZ125 + MZ ETZ150 + Ural-Gespann) : DD - PL - LT - LV - EST - FIN - S - DK - DD

2002 Kroatien (Suzuki GZ125 +  MZ500R) : DD - A - SLO/I - HR - H - A - CZ - DD

2000/2001 Slowakei-Österreich-Schweiz-Dänemark-Norwegen-Schweden (Suzuki GZ125 + MZ ETZ150)

 

 

 

 

Unser Bericht vom 2015 endete mit den Zeilen:

 

Auf dem Gipfel des Brockens haben wir im wahrsten Sinne des Wortes den „Höhepunkt“ unserer diesjährigen Motorrad-Tour erreicht. Es war

diesmal sicher für uns eine etwas andere Art von Motorrad-Tour. Oft genug gab es Gelegenheit, in die Grausamkeiten der deutschen Geschichte

vor 1945 und die Unsäglichkeiten der deutschen Teilung von 1961 bis 1989 einzutauchen. Aber auch landschaftlich, kulturell, architektonisch,

gastronomisch, historisch bot die Tour sehr viel, oft auch dort, wo man es am wenigsten erwartet hätte.

 

Lust auf Fortsetzung vom Harz bis zur Ostsee ist vorhanden, sehen wir mal ...

 

 

Ein Jahr ist seitdem vergangen und die Lust ist geblieben! Elbingerode im Harz war unser letzter Standort. Für den diesjährigen „Einstieg“ wählten

wir Schladen im Nord-Harz, weil uns der Internetauftritt der Pension Fachwerkstübchen ansprach. Wir fühlten uns dort sehr wohl, was natürlich auch

an den ausgesprochen netten Pensionseltern lag.

 

 

 

   

 

Bevor es wieder an die „Grenze“ ging, haben wir uns erst mal Goslar angesehen. Von Schladen gibt es eine günstige Zugverbindung. Im Nu waren wir

inmitten der wunderschönen, mittelalterlich geprägten Altstadt. Entlang der historischen Stadtmauer gelangt man zum imposanten „Breiten Tor“.

 

 

Vorbei am Breiten Tor erreichen wir den Jüdischen Friedhof, der leider verschlossen ist. Der Grund ist, man befürchtet rassistisch motivierten

Vandalismus, wie wir später erfahren.

 

    

 

Das ehemalige Hospiz St. Annenhaus von 1488 ist geöffnet. In dem mittelalterlichen Altenpflegeheim wohnten überwiegend Frauen, da die Männer

durch die schwere Arbeit in den Erzgruben um Goslar zeitig ihr Leben verloren. Ein kundiger Mitarbeiter erläutert uns die hoch interessante Geschichte

des Hauses, das schon immer der Stadt gehörte, jedoch später auch eine Kapelle mit einem geschnitzten Altar des Goslarer Bildschnitzers

Jobst Heinrich Lessen eingebaut bekam.

 

 

 

   

                                                                                                                                                                     Wenn in Goslar gebraut wurde, so rief der öffentliche Ausrufer

                                                                                                                                                                     in den Straßen: „Es wird hiermit bekannt gemacht, daß keiner

                                                                                                                                                                     in die Gose macht, denn morgen wird gebraut.“

     

 

Bei kurzweiliger Orgelmusik in der Marktkirche beschließen wir den Stadtrundgang durch Goslar.

 

Von Schladen aus über Hornburg nehmen wir die südlich, parallel zur ehemaligen Grenze verlaufende Landstraße. In den nördlich der Straße

liegenden Feldern erahnt man den schnurgeraden Postenweg. Zwischen Hessendamm und Mattierzoll schneiden wir die Grenze. Einige

symbolische Reste der Anlage, wie Zaun und Sperrgraben, sind an der Straße als „Grenzdenkmal Hessendamm“ erhalten. Auch ein Beobachtungsturm ist

in der Nähe, aber in einem leider ziemlich verwahrlosten Zustand.

 

   

 

 

 

   

 

Wir wollen weiter Richtung Helmstedt. Noch vorher werden wir durch ein braunes, touristisches Hinweisschild auf einen Aussichtspunkt am

Braunkohletagebau Schöningen, welches das Kraftwerk Buschhaus versorgt, sowie ein Grenzdenkmal bei Hötensleben aufmerksam gemacht.

Am Tagebau-Aussichtspunkt, südlich von Schöningen, stehen Info-Tafeln, ein ausgedienter Schaufelradbagger und einige Elektroloks aus dem Tagebau.

 

   

 

Etwas weiter, kurz vor Hötensleben, erreichen wir die Grenze. Ein sehr gut gestaltetes Areal mit einem Dutzend Informationstafeln zwischen

einem rechteckigen und einem runden Beobachtungsturm vermittelt einen Eindruck vom Zustand der Anlagen von vor 25 Jahren.

Die letzten Häuser von Hötensleben auf DDR-Seite kleben förmlich am ersten Streckmetallzaun. Dann folgen Postenweg, Spanische Reiter

und eine Betonmauer mit Rohr-First. Einige zehn Meter dahinter war die eigentliche Grenzlinie.

 

Auf dem Parkplatz inmitten des Areals an der Straße von Schöningen nach Hötensleben dampft eine Gulaschkanone vor sich hin.

Es gibt Erbsensuppe mit Bockwurst und Kesselgulasch. Wir kommen ins Gespräch. Der freundliche Betreiber steht seit 5 Jahren hier und hat

sich vor der Arbeitslosigkeit mit der Flucht in die Selbständigkeit gerettet. Das Geschäft läuft sommers wie winters sehr gut. Viele Kunden

kommen mit Gefäßen, quasi wie ins „Drive in“.

 

Wir erfahren unter anderem, dass man außerhalb des Sperrgebietes nicht selten von der überdurchschnittlich guten Versorgung in den gesperrten

Grenzorten profitierte. Freunde brachten Autoersatzteile und anderes mit, was gewöhnlich im „Binnenland“  knapp war. Andererseits sind die Leute

hier generell mit dem Westfernsehen groß geworden und spürten das Defizit erst dann, wenn sie mal Urlaub in Süd-Ost-Sachsen machten ...

 

 

 

 

   

 

In Marienborn, gleich an der Autobahn A2 sind in einem eingezäunten Gelände alle Abfertigungshäuschen unter den riesigen Schleppdächern

sowie weitere Gebäude des Zolls erhalten. Je mehr man sich in die Kontrolltechniken (Spürhunde, Stethoskope für Autohohlräume,

Leibesvisitationen) vertieft, desto übler wird einem. Ein insgesamt ein sehenswerter Komplex, den man auf der Durchreise Magdeburg-Hannover

unbedingt mitnehmen sollte. Wir sind mindestens einmal kurz nach 1989 mit dem Trabi Richtung Bremen bzw. Hamburg hier durchgefahren

und wurden damals noch kontrolliert.

 

Wir verlassen Schladen und steuern unser nächstes Ziel an. Der Himmel ist dunkelgrau bewölkt, ab und zu nieselt es. Nachdem wir Helmstedt

passiert haben, kommen wir am 1138 gegründeten Zisterzienserkloster Mariental vorbei. Wir halten, denn es fängt ohnehin an zu regnen.

Die Klosteranlage ist gut erhalten und sehenswert. Auf eigene Faust erkunden wir Laiensaal, Klosterkirche und Kapitelsaal. Es ist unglaublich,

mit welch quasi mathematischer Klarheit solche Bauten vor fast 900 Jahren ausgeführt werden konnten.

 

 

 

    

 

    

 

 

 

 

Unweit von Mariental überquert die B244 bei Rühen den Mittellandkanal (Länge  320km), der den Dortmund-Ems-Kanal mit der Elbe bei

Magdeburg verbindet. Grund genug, zwischen Grafhorst und Rühen an der B 244 einen Stopp für 2 Tomatensäfte einzulegen und den regen

Schiffsverkehr auf dem Kanal zu beobachten.

 

Nicht weit davon entfernt findet zufällig ein Traktorentreffen statt. Diese Abwechslung nehmen wir gern mit. Der Lanz-Bulldog tuckerte gefühlt

mit Quarz-Präzision vor sich hin. 

 

   

 

 

 

 

13 km vor Salzwedel entscheiden wir uns für den „Alten Fritz“ in Wallstawe als nächste Bleibe. Das einstmals bäuerliche Anwesen kann den

Charme vergangener Zeiten nicht leugnen, passt also gut zum Thema unserer Tour. Arbeit ist knapp in der Region, das spürt man überall. In der

strukturschwachen Gegend ist ein durchgängiger, gewinnbringender Gaststättenbetrieb kaum aufrecht zu erhalten.

So besorgen wir uns unser Abendbrot im 10 km entfernten Dähre, ist ja immerhin 3 km näher als Salzwedel ...

 

Mit Steffen, dem Betreiber der Pension und seinem Vater sitzen wir abends in gemütlicher Runde zusammen und erfahren eine Menge über das

Leben vor und nach der Wende. Die „blühenden Landschaften“ sind hier wohl noch ein Stück weiter entfernt als anderswo ...

 

Bei idealem Wetter kreuzen wir durchs grenznahe Gebiet zwischen Salzwedel, Lüchow und Schnega. Erstes Ziel sind die Rundlingsdörfer im Wendland.

 

 

 

 

 

Die Dorfanlage von Satemin ist phantastisch! Gerade im richtigen Moment erwischen wir eine nette Frau, die uns die schlicht eingerichtete Dorfkirche

aufschließen und erläutern kann. Satemin war 1850 – bis auf die Kirche - abgebrannt und wurde durch ein Hilfsprogramm der Stadt Lübeck innerhalb

eines halben Jahres wieder aufgebaut. In dieser Zeit ein schier unglaublicher Akt von Solidarität. Im „Wendland-Café“ genießen wir bei Sonnenschein,

Kaffee und Leberwurstschnitten den wunderschönen Blick auf den Rundling.

 

   

 

 

 

 

   

 

Weitere Rundlingsdörfer in der näheren Umgebung stehen auf unserem Programm. Allerdings geraten wir in Lübeln in die auf dem Museumsgelände

stattfindende Veranstaltung „Esoterikwoche - Hexenkräuter und Heilpflanzentage“, wobei die – und das ist mein ganz persönlicher Eindruck –

teilweise an der Grenze des Kriminellen agierenden Wahrsager, Heiler, Experten für elektro-magnetische Strahlung und Aura-Fotografen leider den

Reiz des Freilandmuseums völlig kaputt machten. Lange hielten wir es dort nicht aus und steuerten den Findlingspark Clenzer Schweiz an.

 

 

 

Für geologisch Interessierte ein sehenswertes Gesteins-Museum und gleichzeitig aber auch ein Ort absoluter Entspannung. Von „oben“ erkennt man

die chronologische Anordnung der Gesteine in Form einer riesigen Spirale.

 

Dass wir durch Göhr bei Schnega auf unserer Runde durchs Wendland kamen, war purer Zufall und ein absoluter Glücksfall dazu. Das uns vorher

nicht bekannte Grenzmuseum dort, war eines der besten, das wir je gesehen haben.

 

   

 

 

 

   

 

Den Hauptteil der Sammlung hat der ehemalige bundesdeutsche Grenzbeamte Dietrich-Wilhelm Ritzmann zusammengetragen, der die Geschichte

von BRD-Seite über Jahrzehnte vor allem auch fotografisch dokumentiert hat. Die Erläuterungen per „Audio-Führer“ über 40 Minuten sind

hochinteressant, präzise, anschaulich und unterhaltend gestaltet. U.a. erfahren wir, dass es in einem schmalen Streifen entlang der Grenze so etwas

wie einen kleinen Grenzverkehr (BRD-DDR) gegeben hat.

 

   

 

 

 

 

 

Wir queren mehrfach die alte Grenze. Zwischen kleinen Dörfern sind die nach 1989 wieder hergestellten Verbindungen teilweise sehr schlecht und

lassen mitunter nur Schrittgeschwindigkeit zu. Zwischen Bergen a. d. Dumme und Klein-Grabenstedt ist sogar noch die bauliche Substanz eines

Zonengrenzgebäudes zwischen der damaligen sowjetischen und englisch-amerikanischen Besatzungszone erhalten geblieben, welches aber bereits

in den 60er Jahren nicht mehr benötigt wurde.

 

Etwa 3km südlich von Salzwedel befindet sich der sogenannte „Märchen- und Duftpark“. Wir sind am Ende überrascht von der Größe und

liebevollen Gestaltung des Geländes. Die „Haupt“märchen sind größtenteils in mehreren Bildern, d.h. Personen, Häuschen, Plätzen oder landschaftlichen

Arrangements dargestellt. Die Figuren sind in etwa in halber Lebensgröße und wirken sehr echt. Mit Kindern kann man sich in dem riesigen Park,

in dem sich auch eine Burg mit Innenhof und ein Schloss befinden, gut und gerne einen Tag lang die Zeit vertreiben.

 

   

 

 

 

   

 

Von Wallstawe aus unterbrechen wir unsere Tour für zwei Tage, um Freunde in Bremen zu besuchen. Der Wiedereinstieg erfolgte dann in Dömitz,

wir residieren in der  Radlerpension an der Elbstraße.

 

    

 

 

   

 

Es regnet zwar nicht, aber der Himmel ist heute bedenklich dunkelgrau. Für den Nachmittag ist die Prognose besser, was jedoch nicht eintreten sollte.

Zuerst fahren wir von Dömitz aus etwa 7 km bis Rüterberg. Es gibt ein paar Schautafeln, aber viel mehr ist in dem in einem Elbknick liegenden, ehemals

völlig eingezäunten Dorf für den interessierten Besucher leider nicht auszumachen.

 

   

 

Linkselbisch fahren wir weiter Richtung Schnackenburg, um das Grenzlandmuseum zu besuchen. Vorher werden wir auf die sehenswerten Reste der

Dömitzer Eisenbahnbrücke aufmerksam. Auf niedersächsischer Seite stehen die festungsartigen Kopfgebäude und die Brücken-Stahlbögen bis zum

Elbufer hin. 1945 wurde die Brücke beschädigt und nicht wieder aufgebaut. Später machte der Ausbau der DDR-Grenzanlagen einen Aufbau sinnlos.

 

Das Grenzlandmuseum in Schnackenburg ist sehenswert, etwa ebenso groß wie in Schnega-Göhr bei Bergen a.d. Dumme, aber bei weitem nicht so

reich an Exponaten und spektakulären Details.

 

   

 

In Schnackenburg setzen wir mit der erst am 7. September 1991 wieder eingerichteten Fähre auf die rechte Elbseite über und nutzen die Straßen

bis Dömitz möglichst nahe an der Elbe. Wir durchfahren landschaftlich hübsch gelegene Dörfer und Zeit für einen Kaffee am Elbdeich bleibt auch noch.

 

   

 

Eine weitere – landschaftlich außerordentlich schöne - Tour führt uns linkselbisch bis Lauenburg und rechtselbisch wieder zurück nach Dömitz.

Unterwegs passieren wir Meudelfitz und erinnern uns an das kleine aber feine MZ-Forumstreffen im Frühjahr 2013.

 

    

 

Lauenburg ist ein hübsches Elbestädtchen, leider fehlt heute die Sonne, die die idyllischen Backsteinhäuschen zum Leuchten bringen würde.

 

  

 

 

 

 

 

 

Seit Jahren verschicken wir traditionell ein eigenes Fotomotiv von unterwegs auf Urlaubskarten. Das Wochenende steht bevor und es wird dringend, dass wir zu den Kopien kommen. In Boizenburg gibt es Hoffnung auf eine Drogerie, in der das als Sofort-Dienst möglich ist. Tatsächlich befindet sich eine am Markt, deren Firmenname an einen Pferdebesitzer erinnert ... Es ist Sonnabend und 30 Sekunden vor 13 Uhr, also reguläre Schließzeit. Damit hatten wir nicht gerechnet ...  Gabi schafft es mit ihrer verbalen Überzeugungskunst, dass uns die netten Verkäuferinnen doch noch während ihrer bereits laufenden intensiven Wochenend-Aufräumphase ins Geschäft lassen. Bei aller Eile klemmt auch noch der touch-screen des Printers. Eine Kollegin hilft. Es stellt sich heraus, dass sie ursprünglich aus Thüringen kommt, Thüringer und Sachsen haben sich schon immer gut verstanden. Ende gut, alles gut. Mit einem Packen Foto-Urlaubskarten verlassen wir erleichtert das Geschäft. Den hilfsbereiten freundlichen Verkäuferinnen des Boizenburger Drogeriemarkts sei hier an dieser Stelle dafür ganz toll gedankt!

 

 

 

 

 

 

 

Das Ziel unserer nächsten Etappe ist Zarrentin am Schaalsee. Das Gasthaus Steffen erweist sich als Glückstreffer. Die Motorräder stehen in

Sichtweite von unserem Zimmer auf dem Hof. Gabi darf den Trockenplatz nutzen, umgehend setzt sie eine „Maschine“ Weißes an.

Die Chefin von Gaststätte, Pension und Tante-Emma-Laden ist ein wahres Küchenwunder. Die angebotenen Speisen sind frisch, schmecken

ausgezeichnet und sind einfallsreich garniert. Und das alles zu wahrhaft volkstümlichen Preisen. Kein Wunder, dass die Gaststätte am Abend

gut frequentiert ist.

 

   

 

Auch von Frau Steffen erfahren wir wieder eine Menge Interessantes aus der Umgebung des Schalsees, den die ehemalige innerdeutsche Grenze

quasi in der Mitte durchschnitt. Zarrentin gehörte zur Sperrzone und war weder für Touristen noch für Besucher ohne Passierschein zugänglich.

Heute arbeiten viele der Einwohner im nahen Hamburg, denn Arbeit gibt es in Zarrentin kaum. Die Gaststätte lief vor der Wende gut, vor allem wegen

der zahlreichen durstigen Grenzsoldaten. Nach der Wende war es schwierig, der Anbau von Pensionszimmern auf dem Hof, Kredite und persönliche

Schicksalsschläge verlangten der Familie viel ab. Wir hatten den unbedingten Eindruck, dass sie es irgendwie geschafft haben.

 

   

 

Wir laufen zum Schaalsee hinunter, die Uferpromenade entlang zum „Hafen“. Dort steht gerade ein Boot zur kleinen Rundfahrt bereit. Wir gehen an

Bord und los geht es. Die Fahrt ist entspannend, aber leider viel zu kurz. Strenger Naturschutz erlaubt nur den elektrischen Antrieb des Bootes und

die Streckenführung wurde stetig eingeschränkt. Es wäre schade, wenn eines Tages im Übereifer der Schützer auch die kleine Runde noch wegfiele.

Der Fischimbiss an der Anlegestelle war übrigens auch nicht zu verachten ...

 

   

 

Vor der Tagestour nach Schlagsdorf ins Grenzmuseum und weiter nach Schwerin erwartete uns ein üppiges Frühstück – klasse!

 

 

Das Museum enthält nicht allzu viele grenz-bezogene Exponate, dafür mehr Schrifttafeln, auf denen Einzelschicksale von DDR-Flüchtigen sowie

Betroffenen der Aussiedlungsaktionen „Ungeziefer“ in den 50er Jahren und „Kornblume“ nach dem Mauerbau 1961 dargestellt sind. Beeindruckend

sind immer wieder Interviews mit Zeitzeugen, die man sich als Video anschauen kann. Ein paar Hundert Meter weiter befindet sich eine zum

Museum gehörige Freianlage.

 

   

 

 

 

 

 

Auf einer Bank mit fantastischer Aussicht über den Schweriner See zum Schloss, vor dem leider ein höherer Baukran steht, verzehren wir die

vom Frühstück (legal !) mitgenommenen Brötchen. Nach einem Blick in den riesigen Schweriner Dom genießen wir noch einen guten Kaffee in

einem Straßenrestaurant.

 

      

 

 

 

   

 

Die Parkplatzsituation in Mölln ist katastrophal. Man findet keinen Fleck, selbst die schmalen Motorräder irgendwo zu lassen. Schließlich landen

wir „Am Wall“ vor einem Café und auf einem Bezahlparkplatz. Wir besuchen das Eulenspiegelmuseum. Das Gebotene hält sich in Grenzen .

 

   

 

Der Weg nach Grevesmühlen führt größtenteils über holprige Landstraßen, streckenweise auch Bitumen mit frischem Rollsplitt behandelt. Auf solchen Stücken

sind kaum mehr als 25 km/h drin. Glücklicherweise sind die alten Katzenkopf-Straßenabschnitte in den Dörfern selten länger als einige Hundert Meter; man

bekäme sicher Gehirnerschütterung oder Rahmenbruch. Mit dem letzten Reservetropfen in der ETZ erreichen wir die Tankstelle in Upahl.

 

 

Saison und Nähe zur Ostsee treiben die Übernachtungspreise nach oben und schränken die Verfügbarkeit schmerzlich ein. In Selmsdorf vermittelt

uns freundlicherweise ein Gaststättenmitarbeiter das KFL-Hostel“ in Grevesmühlen. Das liegt inmitten einer Industriebrache, einer ehemaligen

Landmaschinenreparatur, wo sich verschiedene Gewerke in noch einigermaßen nutzbaren Gebäuden niedergelassen haben. Gabi, die naturnahes

oder romantisches Ambiente liebt, ist sehr tapfer ...

 

Ich fahre zum ALDI, um Abendbrot für heute und Frühstück für morgen einzukaufen; glücklicherweise gleich um die Ecke. Das „Hostel“ ist neu,

es riecht förmlich noch nach Farbe, einrichtungsmäßig bleiben keine Wünsche offen. Überall stolpert man über die Ideen des findigen Innenarchitekten,

der das Thema „Zebra“ an jeder Stelle appliziert hat, selbst außen am Gebäude. Die Details in Küche und Bad und die Fotografiken überall an

den Wänden vermitteln einen geschlossenen Eindruck. Tritt man nach außen, wirken die ruinösen roten Backsteinwerkhallen und der hohe Schornstein

in der Nähe irgendwie bedrückend. Dennoch sind wir froh, auf unserer letzten Grenz-Etappe akzeptabel untergekommen zu sein.

 

       

 

Heute wollen wir den Punkt finden, wo die ehemalige Grenze die Ostsee erreichte. Zuerst fahren wir nach Pötenitz. Hier schnitt die Grenze einstmals

die Halbinsel Priwall, die von Ost nach West in den Mündungstrichter der Trave hineinragt, vom östlichen Festland ab. Ein Einheimischer sagte mir,

man nannte sie deshalb (im Westen) scherzhafterweise „Lepra Island“.

 

Die BRD-DDR- Grenze war identisch mit der heutigen Landesgrenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Der Granitgrenzstein

am Strandzugang könnte es gewesen sein. Später stellt sich aber heraus, das es wahrscheinlich nur ein Grundstücksgrenzstein war und der gesuchte

Grenz-Punkt noch 100 m weiter westlich am Strand liegt. Wir fanden vor Ort leider keine präziseren Hinweise. Schade.

 

   

 

Aber ein Foto gibt es – zufälligerweise - dennoch. Der Badestrand reichte von Priwall (BRD) bis unmittelbar an die „scharfe“ Grenze. Am rot gekennzeichneten

Metallpfosten war seinerzeit das letzte Warnschild „Halt! Hier Grenze“ befestigt, wie historische Fotos im Internet belegen. Dahinter begann die DDR.

 

 

Unser Ziel ist erreicht! Hier begannen einstmals 1.400 km Grenzlinie bis zum Dreiländereck Tschechien-Bayern-Sachsen.

 

Binnen weniger Minuten setzt uns die Fähre von Priwall nach Travemünde über. Der Fährmann ist begeistert von meiner ETZ, weil er selbst gerne

eine hätte. Er bedauerte auch, dass er das alte SR 2 seiner Frau verkauft hat. Aber da war die Überfahrt auch schon zu Ende.

 

   

 

Eigentlich wollten wir nur einen Kaffee trinken, aber dann fährt uns zarter Knoblauchduft in die Nase. Wir können nicht widerstehen, schließlich ist Urlaub.

 

   

 

 

 

   

 

Nach dem Frühstück fahren wir zuerst zum östlichen Ortsausgang von Grevesmühlen um zu tanken, dann nach Kussow ins Steinzeitdorf. Leider finden

wir die Berichte aus dem Internet bestätigt: Viel Geld für wenig zu sehen. Der Steinzeitgarten ist verloddert, Heckenabschnitte sind achtlos über die

Beete geworfen. Die Schrifttafeln sind teilweise verblichen oder verschmutzt. Alle Exponate sind natürlich Nachbauten, einen direkten Bezug zur

Steinzeit, wie z.B. ein Dolmen-Grab o.ä. hat Kussow nicht zu bieten. Fazit: Nicht empfehlenswert (Stand 2016 !)

 

Der Ostsee-Badeort Boltenhagen ist total überlaufen. Auf der Karte suchen wir uns deshalb ein kleines Dorf an der Küste, westlich davon aus. Unsere

Wahl fällt auf Brook. Ganz allein sind wir dort zwar auch nicht und der Parkplatz kostet immerhin auch 1 € die Stunde, aber dafür bietet der ehemals im

Sperrgebiet liegende Strandabschnitt noch etwas vom alten Ostsee-Urlaubs-Gefühl. Zwei Stunden liegen wir in der Sonne am Strand und „hängen ab“.

Zum Baden ist es zu frisch.

 

 

   

 

Wir sind auf der Rückreise. Grobe Richtung ist der Süd-Westen von Berlin: Perleberg, Stendal, Bad Belzig. Die B-Straßen sind mitunter wie mit dem

Lineal gezogen, endlose zig km lang, schnurgerade und in gutem Zustand. So kommen wir schnell voran. An einem gut besuchten Kreuzungs-Imbiss

gibt es Erbsen mit Bockwurst und Bockwurst mit Semmel. Zwei ebenfalls hier rastende MZ-Fahrer (ETZ und TS 250) sind offensichtlich an keiner

Kommunikation interessiert, deshalb sind wir schon bald wieder auf der Piste.

 

Vor einer Ampelkreuzung geht plötzlich der Motor der ETZ aus. Wir schieben die Maschinen auf den Gehweg im Kreuzungsbereich. Glücklicherweise

muss ich nicht lange suchen. Der nichtummantelte NGK-Kerzenstecker liegt neben der Kerze auf dem Zylinderkopf. Was da passiert ist, wird noch zu

untersuchen sein. Schnell gewechselt und weiter kann es gehen. Ab Bad Belzig suchen wir ein Zimmer, es ist schon gegen 16 Uhr. Das Städtchen ist

sehr reizvoll, dazu eine trutzige Burg, aber es ist nichts zu machen; auch wegen des stattfindenden Schützenfestes ist alles voll. Wir tuckern über

verschiedene Dörfer, wie Lühndorf und Niemegk. In letzterem finden wir den „Alten Ponyhof“, nicht gerade billig, aber um die Suche endlich zu beenden,

nehmen wir dort ein Zimmer. Zur Gaststätte des Hotels sind es ein paar Hundert Meter zu laufen. Die Speisen sind in Ordnung.

 

Hier in der Gegend lohnen Bad Belzig und Kloster Zinna einen Besuch. Nach Zinna baue ich die Strecke von Klausdorf bis Kemnitz ein. Bardenitz ist

ein schmuckes Straßendorf, typisch für den Fläming. Es erinnert mich wegen seiner geschlossenen Häuserfront mit Jugendstilverzierungen

komischerweise an die Dörfer in Niederösterreich oder der westlichen Slowakei.

 

Die Reste des Klosters Zinna, das bereits im 16. Jahrhundert aufgelöst wurde, sind sehenswert. Leider hat man die zur Anlage gehörenden

Wirtschaftsgebäude bald abgerissen und zum Bau von Wohnhäusern verwendet. Die Räume der Abtei und der Kirche beeindrucken durch die schöne

gotische Deckenrippenarchitektur, die mit Backsteinen ausgeführt ist. Sehens- und auch Kostenswertes bietet der „Siechensaal“, in dem historische

Gerätschaften zur Herstellung des „Zinnaer Klosterbruders“, eines im Osten legendären Kräuterlikörs, ausgestellt sind.

 

 

    

 

 

   

 

Ein abendlicher Besuch der Burg Eisenhardt in Bad Belzig beschließt den Ausflugstag. Wir können unsere Reise abschließend bei einem Bierchen

Am Abend Revue passieren lassen. Gutes und regelmäßiges Essen verfehlte seine Wirkung nicht. Aber gegen den güldenen Dicken bin ich doch noch

einigermaßen normal geblieben, oder ...?

 

 

 

Am nächsten Tag treffen wir wieder wohlbehalten in unserer Heimat an der Elbe ein. 2.100 gefahrene Kilometer stehen dieses Jahr zu Buche.

Auch der zweite Teil der Reise bescherte uns Neues zum Thema, überzeugte genauso mit landschaftlichen Reizen, trotz fehlender Berge ...

 

Auf jeden Fall können Gabi und ich nur wärmstens empfehlen, einmal „Mitten durch Deutschland“ zu reisen. Vielleicht ermutigen unsere Zeilen

diejenigen, die mit solchen oder ähnlichen Gedanken schon mal gespielt haben. Nur zu!

 

Eine Übersicht über interessante Museen, Ausstellungen oder Gedenkstätten findet sich ganz unten.

 

Lothar, Dezember 2016

 

 

 

 

 

 

Museen, Gedenkstätten und Denkmale an der ehemaligen innerdeutschen Grenze

                                (Quelle: Informationsblatt der AG Grenzmuseum Mödlareuth,

                                 Karsten Sroka  (Grenzdokumentarist), Ingolf Hermann (Museum Mödlareuth)

 

 

                       Unsere subjektive Bewertung                                        - gering          o mittel           + gut               ++ ausgezeichnet

                       (*) Ankunft außerhalb der Öffnungszeiten

 

 

Information

Exponate

 

 

 

Grenzschule Lübeck

 

 

 

 

 

Grenzhaus Schlagsdorf

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+

 

 

 

Priesterkate Büchen

 

 

 

 

 

Boizenburger Elbbergmuseum

 

 

 

 

 

Denkmal Dorfrepublik Rüterberg

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-

 

 

 

Grenzlandmuseum Schnackenburg

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+

 

 

 

Grenzlandmuseum „Swinmark“, Schnega

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++

 

 

 

Heimatmuseum Burg Brome

 

 

 

 

 

Grenzlehrpfad und Museum Böckwitz-Zicherie

 

 

 

 

 

Oebisfelder Heimatverein e.V.

 

 

 

 

 

Zonengrenz-Museum Helmstedt

 

 

 

 

 

Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn

+

++

 

 

 

Grenzdenkmal Hötensleben

o

+

 

 

 

Gedenkstätte Grenze Mattierzoll

o

o

 

 

 

Heimatmuseum Hornburg

 

 

 

 

 

Grenzmuseum Sorge

-

+

 

 

 

Grenzlandmuseum Bad Sachsa, Tettenborn

 

 

 

 

 

Grenzlandmuseum Eichsfeld, Teistungen

(*)

 

 

 

 

Grenzmuseum Schifflersgrund Bad Sooden-Allendorf

+

++

 

 

 

Wanfrieder Dokumentationszentrum z. Deut. Nachkriegsgeschichte

 

 

 

 

 

Grenzmuseum Philippsthal (Werra)

 

 

 

 

 

Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätte „Point Alpha“ Geisa/Rasdorf

++

++

 

 

 

Heimatmuseum mit Abt. Grenzmuseum Geisa

++

 

 

 

 

Info-Stelle über die ehemalige Grenze zur DDR, Tann

 

 

 

 

 

Mahnmal Deutsch-Deutscher Geschichte Behrungen/Thür.

 

 

 

 

 

Unterfränkische Grenzmuseum Bad Königshofen

 

 

 

 

 

Gedenkstätte Billmuthausen

 

 

 

 

 

Informationsst. über d. Teilung Deutschlands, Neustadt b. Coburg

 

 

 

 

 

Gedenkstätte Heinersdorf-Welitsch

 

 

 

 

 

Gedenkstätte Probstzella-Ludwigsstadt

++

+

 

 

 

Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth

++

++

 

 

 

Dreiländereck Tschechien-Sachsen-Bayern